Nachsorge

Das Schlafzimmer riecht nach Schweiß, Waschmittel und abgestandener Sommerluft. Durch das gekippte Fenster dringt entfernt Straßenlärm hinein. Irgendwo hupt ein Auto. Der Fernseher läuft noch stumm im Hintergrund und taucht das Zimmer in flackerndes blaues Licht.

Keuchend schiebt Daniel sie von sich.

„Woah, fuck. Das war intensiv.“

Sie robbt zum Nachttisch und zieht einige Taschentücher aus einer Box. Dabei grinst sie ihn schief an.

„Hat dich fertiggemacht, wie?“

„Ja. Aber voll.“

Sie beugt sich zu ihm rüber.

„Kuss!“

Daniel küsst sie lachend.

„Ich geh mich mal waschen. Kommst du mit?“

Sie räkelt sich auf dem Bett.

„Ja, gleich. Warte mal.“

Ihr Freund steht auf und verschwindet nackt ins Badezimmer.

Sie schaut ihm kurz hinterher.

Dann wandert ihr Blick zum Fenster. Ihre Finger gleiten nachdenklich über ihren eigenen Körper.

Schließlich schnappt sie sich ihr Handy. Öffnet den Messenger.

Nichts Auffälliges.
Nur irgendwelches Bla Bla in Gruppen.

Sie seufzt, legt sich auf den Bauch und starrt auf’s Display. Ihre Beine wippen langsam hinter ihr auf und ab.

Messenger öffnen.

Archivierte Chats.
Ein stummgeschalteter Kontakt.

Sie öffnet den Chat.
Schließt ihn wieder.

Öffnet ihre Notizen-App und tippt etwas.
Löscht es.
Öffnet den Chat erneut.

„Kommst du oder was?“

Mit einer schnellen Bewegung schiebt sie das Handy unter ihr Kissen und dreht sich Richtung Badezimmer.

„Ja, Moment!“

Stille.

Dann zieht sie das Handy wieder hervor.

„Ach, scheiß drauf.“

Sie beginnt zu tippen, kaut dabei auf ihren Haaren herum und murmelt leise:

„So klingt’s gut.“

Nachricht abschicken.
Messenger schließen.

Dann steht sie auf und geht ins Badezimmer.

Daniel steht dort mit einem zweiten Waschlappen in der Hand und einem versauten Grinsen im Gesicht.

„Na du? Bock, nochmal Hand an den Mann zu legen?“

Sie schnappt ihm den Waschlappen weg.

„Selber, na!“
Sie schaut ihn einmal von oben nach unten an und bleibt mittig hängen.

„Der Mann scheint mir aber nicht ganz fit gerade!“
Zieht sie ihn auf.

„Kommt noch. Kommt noch!“

Sie waschen sich gegenseitig.

Warmes Wasser läuft über ihre Schultern und sammelt sich zwischen den Fliesen.

Daniel schaut sie einen Moment an.

„Was ist eigentlich mit dir los in letzter Zeit?“

Sie schaut irritiert zu ihm hoch.

„Was soll los sein?“

„Du hast dich komisch beim Sex verhalten.“

Sie trocknen sich gegenseitig ab.

Daniel versucht plötzlich, sie hochzuheben und zurück ins Schlafzimmer zu tragen.

„Oh Gott, nee!“
Er lässt sie wieder runter.

„Soll das heißen, ich bin fett? Du Arsch!“

Sie boxt ihn kumpelhaft gegen den Oberarm und läuft lachend zurück ins Schlafzimmer.

„Kalt! Decke! Netflix!“

Er salutiert grinsend.

„Jawohl!“

Wenig später liegen sie zusammen im Bett.

Die Decke halb über ihnen, der Fernseher flackert leise vor sich hin.

Sie schnappt sich erneut ihr Handy und öffnet den Messenger.

Daniel schaut sie an. „Boah ne oder?“

„Was?“

„Muss das sein?“

Sie hält kurz inne.

„Ja … nee. Nein, muss nicht sein. Sorry.“

Sie legt das Handy weg.

Sie schauen mehrere Folgen hintereinander.
Zwischendurch kuscheln sie schweigend.

Dann deutet Daniel plötzlich auf den Fernseher.

„Hättest du das erwartet?“

„Hmm?“

„Dass es so kommt.“

„Was meinst du?“

„Na das gerade eben. War doch überhaupt nicht zu erwarten, oder?“

Sie reagiert einen Tick zu spät.

„Sorry. Hab gerade abgeschaltet und über was nachgedacht.“

Daniel pausiert die Serie.

„Wegen gerade?“

„Gerade? Ja … irgendwie schon.“

Daniel denkt kurz nach.

„Das mit dem Hochheben beim Sex war übrigens mega anstrengend. Wenn du da nicht mitgeholfen hättest, wären wir einfach umgefallen. Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen?“

Sie zuckt mit den Schultern.

„Mir war danach.“

„Auch dieses Beißen und Kratzen. Mal ehrlich, das hat schon ordentlich gezwiebelt.“

Sie legt ihr Kinn auf seine Brust.

„Tut mir leid.“

„Ja, schon okay.“
Er streicht ihr langsam über den Rücken.
„Versteh nur nicht, warum du mir wehtun willst.“

„Wusste nicht wohin mit der Energie.“

Daniel grinst schief.

„Du warst aber auch echt on fire. Ich hatte kurz das Gefühl, du willst mir die Seele aus dem Leib ficken.“

Sie schnaubt lachend und beißt ihn leicht in die Brust.

Er tippt ihr gegen die Nase.

„Lass das. Girl, ich will dich nicht hauen müssen.“

„Das war doch kein Hauen.“

„Ja, gerade. Aber vorher schon. Und ich hab mich ehrlich gesagt nicht wohl dabei gefühlt, dich so heftig zu schlagen.“

Sie schaut ihn nachdenklich an.

„Ehrlich gesagt turnt mich das an. Tut auch nur kurz weh. Ist irgendwie heiß. Keine Ahnung. Musst du aber nicht.“

„Wenn du das doch brauchst.“

Sie grinst und küsst ihn kurz.

„Ich sag und zeig dir schon, was ich wann brauche.“

Daniel schnaubt leise.

„Wie bist du eigentlich darauf gekommen? Hast du wieder ohne mich Pornos geschaut?“

Sie lacht.

„Nee. Ich hab mit Lin gesprochen. Die hat so Zeug erzählt und irgendwie fand ich das heiß.“

„Lin ist eine Schlampe. Die vögelt sich doch durch halb Köln.“

Sie lacht erneut.

„Ja, naja. Aber ist ja ihre Sache oder? Klang halt gut.“

Ihr Handy vibriert kurz auf dem Nachttisch.

Ihr Blick wandert sofort dorthin.
Nur für einen Moment.

Dann schaut sie wieder zum Fernseher.

„Daniel, mach mal bitte zurück. Ich will wissen, was du meintest.“

Daniel drückt auf Pause.

Sie unterbricht ihn sofort wieder.

„Ach so, nee. Ich brauch noch deine Hilfe für was beim Projekt. Kannst du da was für mich machen?“

Daniel nickt: „Klar. Ich muss nur noch was für meinen Master zuende machen.“
Sie schaut ihn überrascht an: „ich dachte die Arbeit ist fertig?“
Er druckst rum :“Nja fast.“
„och Daniel!“
„Ja, was soll ich sagen, ich und die Jungs haben jetzt mit Dota 2 angefangen und da ist mir das was durchgegangen“
Sie sieht ihn streng an
„Boah nerv mich nicht. ich mach ja noch!“
„Ja dann mach auch.“