Es riecht nach Duschgel, Deo und nach Sporthalle. Irgendwo läuft noch das Wasser einer Dusche. Metallspinde klappen zu. Jemand flucht leise über einen verlorenen Ohrring.
Sie sitzt auf der Holzbank, ein Handtuch um ihren Körper geschlungen, und tippt auf ihrem Handy herum. Ihre Haare sind noch feucht vom Duschen und hängen ihr offen ins Gesicht.
„Also auf jeden Fall macht der plötzlich so ein Gesicht, als würde der einen Schlaganfall bekommen, und gibt nur noch so erstickte Laute von sich. Und ich denk so: Boah, echt jetzt? Wie lange waren das? Dreißig Sekunden?“
Ihre Freundin rollt mit den Augen und zieht sich mit einer akrobatischen Bewegung den Sport-BH aus.
„Hörst du überhaupt zu?“
Sie grinst leicht.
„Ja. Wieder einen Schnellschuss in einer Bar aufgerissen.“
Ihre Freundin lacht.
„Ja, … sah aber gut aus. Hab ihn danach rausgeschmissen, als ich gemerkt hab, dass der nicht auf die Idee kommt, mir mal was Gutes zu tun. Alles muss man selbst machen.“
Sie grinst.
„So kann man wenigstens nicht enttäuscht werden.“
Die Freundin zieht ihr Höschen aus und kickt es zielsicher Richtung Tasche. Es klatscht gegen die Wand und fällt dann in die Tasche.
„Jo. Das sollte so!
Sie reißt jubelnd die Arme hoch.
Dann hüpft sie unter die Dusche.
„Wie läuft eigentlich dein Projekt?“
Sie verdreht leicht die Augen.
„Anstrengend.“
„Wow. Jetzt bin ich echt im Bilde.“
„Ich kann halt mit Worten.“
„Mhm. Aber richtig.“
Einige Minuten lang ist es still. Sie trocknet sich langsam ab und beginnt, sich anzuziehen. Dabei nimmt sie immer wieder ihr Handy in die Hand.
„Sag mal …“
Ihre Freundin steckt den Kopf aus der Dusche.
„Und wie geht’s eigentlich IHM?“
Sie zieht das Wort lang, grinst und wirft ihr einen Seitenblick zu.
Sie hebt den Blick vom Handy.
„Oh Gott.“
Die Freundin zwinkert breit.
„Du weißt schon.“
„Er lebt noch.“
„Schade.“
Sie muss lachen, obwohl sie es eigentlich nicht will.
Die Freundin setzt sich neben sie, schnappt sich ihr Handtuch und beginnt, sich die Haare trocken zu rubbeln.
Dann imitiert sie sie mit übertrieben ernster Stimme:
„Oh Eeer, natürlich bin ich auch für den Vorschlag.“
Sie hebt dramatisch die Hand. Macht einen Schmollmund und beugt sich vor.
„So mache ich doch gar nicht!“
„Oh Gut, dass du das gesagt hast, Er. Das wollte ich nämlich auch gerade sagen.“
„Ach halt die Fresse. So bin ich doch gar nicht.“
Die Freundin grinst sofort.
„Neeee. Überhaupt nicht.“
Sie versucht ernst zu bleiben, muss dann aber doch lachen.
Ihre Freundin lacht und versucht, sie zu umarmen, obwohl sie noch komplett nass ist.
„Natürlich fahr ich noch schnell die Sachen besorgen, Er.“
Die Freundin grinst jetzt richtig breit und klimpert übertrieben mit den Wimpern.
„Soll ich sie dir vielleicht direkt nach Hause bringen und nackt in deinem Bett auf dich warten?“
Sie drückt sie lachend von sich weg.
„Fick dich, du dumme Kuh. Du bist echt untervögelt. Deine Fantasie geht voll mit dir durch!“
„Ganz ehrlich?“ Die Freundin zieht sich ein Shirt über den Kopf. „Wenn ein Typ mich so anschauen würde wie der dich, wär das längst eskaliert.“
Für einen kurzen Moment wird es still.
Nur das Summen der Neonröhren.
Das Klacken eines Spinds.
Sie blickt auf ihr Handy hinunter.
„Ja stimmt“, sagt sie leiser.
„Ich liebe halt meinen Freund …“
Die Freundin schnaubt grinsend.
„Langweilig. Miss Rollkragen.“
Sie zwingt sich zu einem Grinsen.
Dann vibriert ihr Handy erneut.
ER hat geschrieben.
Nicht in einer Gruppe.
Privat.
Ihre Freundin steht auf, geht rüber, schnappt sich einen Fön und beginnt, sich den Körper trocken zu fönen.
„Ahhh, das tut gut.“
„Du bist bekloppt.“
Ihre Freundin beginnt demonstrativ, sich zwischen den Beinen zu fönen.
„Probier auch mal. Kann ich nur empfehlen.“
Sie starrt auf ihr Handy.
„Nee, lass mal.“
„Probier’s mal mit Gemütlichkeit …“
Sie muss lachen.
„Warum sind wir nochmal befreundet?“
„Kontrast. In jeder Beziehung gibt’s eine Bitch.“
Sie zögert kurz.
„Ja. Das muss es wohl sein.“
Wer war denn das?“
„Nicht so wichtig.“
„Er oder?“
Wenn es er wäre, könnte er auch schön warten“
Sie lacht und packt ihre Tasche zusammen.
Die Freundin hebt nur grinsend die Augenbrauen.
„Mhm.“
„Bitch, nerv mich nicht. Lass mal essen gehen.“ Sei schultert ihre Tasche
Ihre Freundin schüttelt lachend den Kopf.
„Zu Befehl. Aber du zahlst.“
Sie gehen zur Tür.
„Sonst hast du aber keine Wünsche, oder?“